Eine der einfachsten Aufgaben mit Funktion von mehreren Variablen stellt das folgende Variationsproblem für ein Doppelintegral dar:
Dabei soll die gesuchte Funktion u =u(x,y) auf dem Rand des Bereiches G gegebene Werte annehmen. Analog zum Abschnitt EULERsche Differentialgleichung werden Vergleichsfunktionen der Form
angesetzt, wobei u0(x,y) eine Lösung der Variationsaufgabe (10.44) ist und die vorgegebenen Randwerte annimmt, während die Bedingung
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(10.46) |
erfüllt und wie u0(x,y) entsprechend oft partiell differenzierbar ist.
Die Größe ist ein Parameter. Durch u =u(x,y) wird eine Fläche beschrieben, die der Lösungsfläche u0(x,y) benachbart ist. Mit (10.45) geht I[u] in
über, d.h., aus der Variationsaufgabe (10.44) wird eine Extremwertaufgabe, die die notwendige Bedingung
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(10.47) |
erfüllen muß. Daraus folgt die EULERsche Differentialgleichung
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(10.48) |
als notwendige Bedingung für die Lösung der Variationsaufgabe (10.44).
Beispiel |
Eine unbelastete Membran, die am Rand |
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(10.49a) |
Wird die Membran durch eine Belastung so deformiert, daß jeder Punkt eine Auslenkung u =u(x,y) in z-Richtung erfährt, dann wird ihr Flächeninhalt nach der Formel
berechnet. Linearisiert man den Integranden in (10.49b) nach TAYLOR, dann erhält man die Beziehung
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(10.49c) |
Für die potentielle Energie U der deformierten Membran gilt
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(10.49d) |
wobei die Konstante als Spannung der Membran bezeichnet wird. Auf diese Weise entsteht das sogenannte DIRICHLETsche Variationsproblem: Die Funktion u=u(x,y) ist so zu bestimmen, daß sie das Funktional
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(10.49e) |
zu einem Extremum macht und auf dem Rand des ebenen Gebietes G verschwindet. Die zugehörige EULERsche Differentialgleichung lautet
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(10.49f) |
Es handelt sich um die LAPLACEsche Differentialgleichung für Funktionen von zwei Variablen.