Glockenförmige Zugehörigkeitsfunktionen

In Analogie zu den trapezförmigen Zugehörigkeitsfunktionen, die sich durch einen diskontinuierlichen Verlauf auszeichnen, finden auch glockenförmige Zugehörigkeitsfunktionen mit kontinuierlichem Kurvenverlauf Anwendung.

Resümee: Als Resümee der zu betrachtenden Beispiele ergibt sich, daß unscharfe und unpräzise Informationen durch Fuzzy-Mengen beschrieben und durch Zugehörigkeitsfunktionen visualisiert werden können. Sprachliche Aussagen wie WENN-DANN-Regeln werden dann zu Berechnungsverfahren.

Beispiel A

Eine Klasse glockenförmiger, differenzierbarer Zugehörigkeitsfunktionen erhält man mit Hilfe von Funktionen f(x) der Art

(5.358)

wenn p(x) geeignet wählt wird.
Für p(x)=k(x-a)(b-x) und z.B. k=10 bzw. k=1 oder k=0,1 erhält man mit dem Normierungsfaktor die in der folgenden Abbildung dargestellten Zugehörigkeitsfunktionen unterschiedlicher Breite einer symmetrischen Kurvenschar. Mit dem Wert k=10 ergibt sich die äußere, mit k=0,1 die innere Kurve.

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Asymmetrische Zugehörigkeitsfunktionen in [0,1], wie sie die folgende Abbildung zeigt, erhält man beispielsweise für p(x)=x(1-x)(2-x) oder p(x)=x(1-x)(x+1) mit geeigneten Normierungsfaktoren. Der Faktor (2-x) im ersten Polynom bewirkt eine Verschiebung des Maximums nach links und liefert eine asymmetrische Kurvenform. Entsprechend bewirkt der Faktor (x+1) im zweiten Polynom eine Verschiebung nach rechts mit asymmetrischer Form.

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Beispiel B

Beispiele für eine noch flexiblere Klasse von Zugehörigkeitsfunktionen erhält man durch eine Transformation t in [a,b] gemäß

(5.359)

wobei für f die bereits bei den glockenförmigen Zugehörigkeitsfunktionen benutzte Funktion (5.358), d.h.

(5.360)

(5.358) mit p(x) =(x-a)(b-x) verwendet werden kann. Ist t eine glatte Transformation in [a,b], d.h. ist t unendlich differenzierbar im Intervall , so ist auch Ft glatt, weil f glatt ist. Verlangt man, daß t steigend oder fallend und glatt ist, dann liefert die Transformation t Möglichkeiten, die Kurvenform einer Zugehörigkeitsfunktion zu verändern.
In der Praxis sind Polynome für die Transformation gut geeignet. Im Intervall [a,b]=[0,1] ist das einfachste Polynom die Identität .

Das nächst einfache Polynom mit den angegebenen Eigenschaften ist mit einer Konstanten . Mit der Wahl c=-6 für maximale Krümmung des Polynoms ergibt sich . Wählt man für q0 die Identitätsfunktion, d.h. so kann man zusammen mit q rekursiv durch für weitere Polynome berechnen.

Setzt man für die Transformation t in Ft(x) (5.359) die entsprechenden Transformationspolynome ein, so erhält man eine Folge glatter Funktionen Fq0,Fq1 und Fq2 (linke Abbildung), die zur Konstruktion von Zugehörigkeitsfunktionen verwendet werden können, wobei Fqn zu einer Geraden konvergiert. Mit Hilfe der Funktion Fq2 sowie ihrer gespiegelten Form und einer waagerechten Geraden kann eine trapezförmige Zugehörigkeitsfunktion differenzierbar approximiert werden (rechte Abbildung).

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