Poisson-Prozeß

Bei den stochastischen Ketten sind sowohl der Zustandsraum Z als auch der Parameterraum T diskret, d.h., der stochastische Prozeß wurde nur zu den diskreten Zeitpunkten betrachtet. Beim POISSON-Prozeß wird dagegen ein stetiger Parameterraum T vorausgesetzt.

1. Mathematische Formulierung
Zur mathematischen Formulierung des POISSON-Prozesses wird festgelegt: Darüber hinaus werden folgende Voraussetzungen gefordert, die vom radioaktiven Zerfall und von vielen anderen zufällig ablaufenden Prozessen (zumindest annähernd) erfüllt werden:
2. Verteilungsfunktion
Durch die voranstehenden Eigenschaften 3. bis 5. ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zufallsgröße Xt bestimmt. Man erhält:
(16.120a)
(16.120b)
3. Bemerkungen
  1. Für t=1 ergibt sich aus (16.120a) als Spezialfall die POISSON-Verteilung.
  2. Zur Interpretation des Parameters und eventuell zu seiner genäherten Bestimmung aus beobachteten Daten sind die folgenden Zusammenhänge nützlich:
    • ist die mittlere Anzahl von Signalen pro Zeiteinheit,
    • ist der mittlere Abstand zweier Signale eines POISSON-Prozesses.
  3. Der POISSON-Prozeß kann als zufällige Bewegung (Irrfahrt) eines Teilchens auf dem Zustandsraum gedeutet werden. Das Teilchen startet im Zustand , und bei jedem Signal springt es vom Zustand i in den nächsten Zustand . Dabei soll in einem kleinen Zeitintervall für die Übergangswahrscheinlichkeit pi,i+1 vom Zustand i in den Zustand i+1 gelten:
    (16.121)

    Die Größe heißt hier Übergangsrate.

für Poisson-Prozesse
Beispiel A

Der radioaktive Zerfall ist ein typisches Beispiel für den POISSON-Prozeß: Mit einem Zählgerät werden die Zerfallsakte (Signale) registriert und über einer Zeitachse abgetragen. Der Beobachtungszeitraum sei dabei vernachlässigbar klein im Vergleich zur Halbwertszeit des radioaktiven Strahlers.

Beispiel B

Für die Anzahl der in einer Telefonzentrale bis zum Zeitpunkt t registrierten Telefongespräche läßt sich z.B. die Wahrscheinlichkeit dafür berechnen, daß bis zur Zeit t höchstens x Gespräche vermittelt werden, wenn pro Zeiteinheit durchschnittlich Gespräche geführt werden.

Beispiel C

Bei Zuverlässigkeitsuntersuchungen wird die wahrscheinliche Anzahl der Ausfälle eines reparierbaren Systems während der Betriebsdauer berechnet.

Beispiel D

In der Bedienungstheorie wird die Anzahl der bis zur Zeit t eintreffenden Kunden an einer Kaufhauskasse, einem Fahrkartenschalter oder einer Tankstelle betrachtet.