Betrachtet wird eine parameterabhängige Differentialgleichung
mit , wobei
und
offene Mengen darstellen und f als r-mal stetig differenzierbar vorausgesetzt wird. Die Gleichung (17.61) läßt sich als parameterfreie Differentialgleichung
im Phasenraum M x V interpretieren. Aus dem Satz von PICARD - LINDELÖF und dem Satz über die
Differenzierbarkeit nach den Anfangswerten folgt, daß (17.61) für beliebige und
eine lokal eindeutige Lösung
mit Anfang p zur Zeit t=0 besitzt, die bezüglich p und
dann r-mal stetig differenzierbar ist. Alle Lösungen mögen auf ganz
existieren.
Es wird weiter vorausgesetzt, daß System (17.61) bei die Ruhelage x = 0 besitzt, d.h., es gelte
. Es seien
die Eigenwerte von
mit Re
. Außerdem habe Dxf(0,0) genau m Eigenwerte mit negativem und k=n-s-m Eigenwerte mit positivem Realteil.
Nach dem Satz über die Zentrumsmannigfaltigkeit für Differentialgleichungen (Satz von SHOSHITAISHVILI) (s. [17.11]) ist die Differentialgleichung (17.61) für mit hinreichend kleiner Norm
in einer Umgebung von 0 topologisch äquivalent zu einem System
mit und
, wobei A eine Matrix vom Typ (s,s) ist, die
als Eigenwerte hat, und g eine Cr-Funktion mit g(0,0) = 0 sowie Dxg(0,0) = 0 darstellt.
Aus der Darstellung (17.62) folgt, daß Bifurkationen von (17.61) in einer Umgebung von 0 ausschließlich durch die Differentialgleichung
beschrieben werden. Die Gleichung (17.63) stellt die auf die lokale Zentrumsmannigfaltigkeit
von (17.62) reduzierte Differentialgleichung dar.
Die reduzierte Differentialgleichung (17.63) kann oft durch eine nichtlineare parameterabhängige Koordinatentransformation, die die topologische Struktur ihres Phasenporträts nahe der untersuchten Ruhelage nicht ändert, auf eine relativ einfache Form (z.B. mit Polynomen auf der rechten Seite) gebracht werden, die Normalform heißt. Eine Normalform läßt sich nicht eindeutig bestimmen; in der Regel wird eine Bifurkation durch unterschiedliche Normalformen äquivalent beschrieben.